Bericht aus dem Vorstand. Zwischen Gesundheit, Klimaschutz und Erinnerungskultur
Frau Pfaffinger, welche inhaltlichen Schwerpunkte haben Sie als Vorsitzende bisher gesetzt?
Ein großer Teil unserer Arbeit als Vorstand ergibt sich aus satzungsgemäßen Aufgaben wie z. B. dem Meldewesen und dem Berufsrecht. Wir prüfen Berufspflichtverstöße und verhängen, wenn nötig, Rügen mit Geldbußen. Die Zahl der Patient*innenbeschwerden ist im letzten Jahr deutlich gestiegen, vor allem, weil immer mehr Patient*innen das Online-Beschwerdeportals des Staatsministeriums nutzen. Daneben bereiten wir als Vorstand die Delegiertenversammlungen vor, bringen spannende, aktuelle Themen ein, wie bspw. die Notfallversorgung und die Änderungen im Bereich der München Klinik. Wir setzen ihre Beschlüsse um und greifen neue Themen aus den Ausschüssen, Ärztetagen und Gremien auf. Klimaschutz und QM werden in unserer Geschäftsstelle aktiv gelebt: Wir hinterfragen alle unsere Anschaffungen und Abläufe. Für uns ist es dabei immer wichtig, Nachhaltigkeit mitzudenken und Prozesse dann auch zu verändern.
Welche Gremien gibt es im ÄKBV und wie arbeiten Sie zusammen?
Zentrales Gremium ist die Delegiertenversammlung (DV) mit 80 gewählten Vertreter*innen der derzeit rund 22.000 Münchner Ärzt*innen. Unter-stützt wird die DV durch ihre derzeit vier Ausschüsse: MFA in der Zukunft, Klimawandel und Gesundheit, Weiterbildung in München sowie Soziale und Menschenrechtsfragen. Im Frühjahr 2025 haben wir ein Themenheft zur MFA-Ausbildung veröffentlicht und uns dabei die Frage gestellt: Was brauchen die Ausbilder*innen, die Auszubildenden und die Medizinischen Fachangestellten? Der Klimaausschuss erarbeitet häufig Anträge für Bayerische und Deutsche Ärztetage und initiiert auch Themen in den Münchner Ärztlichen Anzeigen (MÄA). So hatten wir etwa in Ausgabe 23/2025 zwei Beiträge zu Projekten der LMU und des „Kompetenzzentrums für klimaresiliente Medizin und Gesundheitseinrichtungen“ (KliMeG) über den häufig vermeidbaren „Handschuhberg“. Der Weiterbildungsausschuss führte eine Umfrage unter Assistenzärzt*innen durch und brachte die Ergebnisse in die Weiterbildungsabteilung der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) ein. Der Ausschuss für Soziale und Menschenrechtsfragen befasste sich unter anderem mit der psychiatrischen Versorgung im Justizvollzug, sexualisierter Gewalt und Suizidraten.
Bereits in der vergangenen Amtsperiode entwickelte die Vorstandskommission „Lebensbedrohliche Einsatzlagen“ gemeinsam mit Polizei und Feuerwehr ein Kursformat zu diesen Einsatzlagen. Denn nach den Anschlägen in Paris 2015 hätten viele Tote durch Maßnahmen zur Blutstillung, etwa durch das Anlegen eines Tourniquets, gerettet werden können. Auch die MÄA hat sich diesem Thema mehrfach gewidmet. Aktuell befasst sich die Vorstandskommission mit der Krisenresilienz im Gesundheitswesen. In der Ausgabe 24/2025 gab es zum Beispiel einen Beitrag zum Umgang mit einem Stromausfall in der Praxis.
Wo kooperiert der ÄKBV mit externen Gremien?
Wir arbeiten im Gesundheitsbeirat der Stadt und seinen Arbeitskreisen mit und bringen dort früh unsere ärztlichen Perspektiven ein. Gleichzeitig setzt sich auch die Stadt immer wieder zu medizinischen Fragestellungen mit uns in Verbindung. Der Gesundheitsbeirat wird derzeit umstrukturiert: München wird zu einer weiteren Gesundheitsregion plus in Bayern.
Es gibt jetzt jedes Jahr zwei sog. Gesundheitsforen, an denen die wichtigsten Akteur*innen in der Gesundheitsversorgung beteiligt sind. Auch im Lenkungsausschuss mit Vertreter*innen von Ärzt*innen, Pflegekräften und Krankenkassen arbeiten wir mit. Für den ÄKBV wurden ich und als Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns unser Delegierter Dr. Oliver Abbushi in den Lenkungsausschuss berufen. Als größter Bezirksverband bringen wir auch viele Themen in die BLÄK ein, die bei uns häufig ausgeprägter sind oder früher auftreten als anderswo. Als Vorstandsvorsitzende bin ich bei der BLÄK „geborenes Mitglied“. Zusätzlich wurde unsere Delegierte Dr. Ariane Kunstein als Fachärztin in den Vorstand der Kammer gewählt.
Was waren Highlights der letzten Veranstaltungen?
Ein Höhepunkt war die Veranstaltung „8. Mai 1945 – Kontinuität oder Neuanfang?“ im Alten Rathaus mit über 300 Teilnehmenden. Auch der „Tag der Ersten Hilfe“, der jeweils im Juli stattfindet, ist jedes Jahr ein besonderes Ereignis. Dabei zeigen wir in mehreren Pavillons auf dem Marienplatz den Umgang mit „automatisierten externen Defibrillatoren“ (AEDs) und vermitteln die Grundlagen der kardiopulmonalen Wiederbelebung.
Von welchen Aufgaben des Vorstands haben die Mitglieder profitiert?
Wir treiben die Digitalisierung und die Optimierung unserer Homepage stetig voran. Am meisten freue ich mich, dass wir die nächsten Wahlen für die BLÄK und den ÄKBV ausschließlich online durchführen wer-den. Denn 2022 haben diese Wahlen sehr hohe Kosten und hohen Papierverbrauch von rund 2,2 Tonnen verursacht. Das ist heute weder zeitgemäß noch nachhaltig. Dazu werden wir und die Kammer noch unsere Wahlordnungen anpassen. Mit der PSU Helpline und dem anonymen Suchtberatungstelefon unterstützen wir zudem eine niedrigschwellige Unterstützung für belastete Kolleg*innen.
Wie gehen Sie mit Kontroversen um?
Unterschiedliche Meinungen gehören dazu, und es wäre furchtbar langweilig, wenn wir alle immer derselben Meinung wären. In dieser Amtsperiode diskutieren wir sachlich und finden fast immer tragfähige Kompromisse.
Was planen Sie für die Zukunft?
In der nächsten Delegiertenversammlung am 12. März greifen wir die Notfallversorgung in München erneut auf. Pflege, Antidiskriminierung, Antirassismus und Klimawandel bleiben zentrale Themen. Zudem planen wir Veranstaltungen zur Versorgung von Menschen mit Behinderungen im März, zu leichter Sprache im Mai und zur psychotherapeutischen Versorgung von Geflüchteten. Wir haben auch immer neue Ideen für ärztliche Fortbildungen.
Die Themen gehen uns nicht aus.
Dieses Gespräch führte Stephanie Hügler
MÄA 03/2026 vom 07.02.2026